Antworten von Eric Jacob auf die Fragen des Klimabeirats an die Bürgermeisterkandidaten zur Kommunalwahl 2026

Der Klimabeirat Eching hat am 31. Dezember 2025 einen offenen Brief mit 5 Fragen zu den Themen Umwelt und Energie an alle Echinger Bürgermeisterkandidaten verschickt. Die genauen Fragen finden Sie hier: https://klimabeirat-eching.de/2025/12/19/offener-brief-an-die-buergermeisterkandidaten-mit-fragen-zum-klimaschutz-in-eching/
Die Antworten unseres Bürgermeisterkandidaten Eric Jacob finden Sie unten.

Lieber Herr Neumann, liebe Mitglieder des Klimabeirats,

haben Sie vielen Dank für die wichtigen Fragen.

Die Themen Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz liegen mir sehr am Herzen, denn das Artensterben, ein steigender Ressourcenbedarf sowie zunehmende Extremwetterereignisse betreffen jede und jeden von uns: Unmittelbar, wenn etwa Straßen und Keller unter Wasser stehen, wie etwa im Sommer 2024 in unserer Nachbargemeinde Allershausen. Mittelbar, wenn durch Trockenperioden Lebensmittel wie zuletzt Kakao deutlich teurer werden. Als Bürgermeister sehe ich mich in der Pflicht, konsequent und zügig zu handeln, um Eching auch in zehn, fünfzig und hundert Jahren als lebenswerte Gemeinde für die nächsten Generationen zu erhalten, sowie unseren Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten.

Gerne nehme ich daher im Folgenden Stellung zu Ihren Fragen.

Zu Frage 1:
Für Eching gilt das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Ich möchte dieses Ziel mit innovativen Ideen früher erreichen, denn wenn kleine Gemeinden mit klugen Ideen vorangehen, können sie Vorbild für das große Ganze sein. 2040 als Pflicht, 2035 als Ziel!

Wie Sie korrekt beschreiben, ist es allerhöchste Zeit, den Klimaschutz ins Zentrum des politischen Handels zu rücken. Dies gilt für alle staatlichen Ebenen, insbesondere jedoch für die Kommunen, da hier viele konkrete Entscheidungen getroffen werden, die unmittelbare Wirkung entfalten – vorausgesetzt, Bund und Freistaat schaffen die notwendigen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.

Bei den aufgeführten Klimaneutralitätszielen ist für mich klar, dass Eching sich keine Sonderrolle innerhalb des Freistaates, Deutschlands oder im internationalen Kontext herausnehmen kann. Das zeitlich am engsten gefasste Ziel der Klimaneutralität des Freistaates, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein, muss entsprechend auch für unsere Gemeinde verbindlicher Maßstab sein (Art. 2, Abs. 2 BayKlimaG).

Einen großen Hebel sehe ich dabei vor allem in folgenden drei Bereichen:

  1. Bei der gemeindlichen Planung, insbesondere im Bausektor. Zwar enthalten Beschlussvorlagen des Gemeinderats bereits heute Hinweise zu Umwelt- und Klimafolgen, diese sind jedoch häufig noch sehr kurz und allgemein gehalten und bieten keine ausreichende Grundlage für eine fundierte Abwägung. Hier möchte ich eine systematischere und detailliertere Bewertung neuer Vorhaben einrichten. Ergänzend dazu gibt es in der Bevölkerung, allen voran im Klimabeirat, viele Menschen, die sich ehrenamtlich mit ihrer beruflichen Expertise für den Umweltschutz einsetzen. Hier braucht es einen besseren Kommunikationsweg mit der Verwaltung, aber insbesondere auch dem Gemeinderat, um einen informierten Austausch zu ermöglichen.
  2. Bei der Flächennutzung. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist die Flächenversiegelung. Besonders für Parkflächen und die gewerbliche Nutzung sind große Teile des Gemeindegebiets versiegelt worden. Bei Wohnraum bauen wir vor allem in die Breite, aber wenig in die Höhe. Das hat zur Folge, dass Wasser nur schlecht abfließen kann und sich der öffentliche Raum im Sommer stark erhitzt. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen brauchen Anreize, ihre Grundstücke effizient zu nutzen, nicht weiter zu versiegeln und, wo möglich, wieder zu entsiegeln.
    Darüber hinaus sehe ich großes Potenzial in der Wiedervernässung von Moorflächen, insbesondere im nördlichen Gemeindegebiet.1 Intakte Moore leisten einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Der bestehende Dialog mit den Eigentümerinnen und Eigentümern soll fortgeführt und durch Instrumente wie Flächentausch oder gemeinschaftliche Finanzierungsmodelle ergänzt werden. Auch ein gemeinschaftliches Konzept zur Finanzierung, ähnlich der “Aktion Zukunft+”, wie sie bereits im Landkreis München und Ebersberg zum Einsatz kommt2, soll geprüft werden.
  3. Bei der Klimaanpassung und -resilienz durch ein detailliertes Schutzkonzept. Selbst mit ambitionierten Klimaschutz steuern wir weltweit auf eine Temperaturerhöhung von 2,3 bis 2,5 Grad zu.3 Extremwetterereignisse werden vermehrt auftreten: in Eching sind wir vor allem durch Starkregen und damit verbundene Überschwemmungen sowie Hitze betroffen. Es braucht daher ein detailliertes Schutzkonzept, wie die kritische Infrastruktur und die Bevölkerung bei extremer Hitze und anhaltendem Starkregen vorbeugend geschützt werden kann und wie im Falle solcher Extremwetter in puncto Zivilschutz zu agieren ist. Für die Ausarbeitung eines solchen Plans setze ich mich ein.

Diese Maßnahmen möchte ich in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit anstoßen. Die Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen im Gemeinderat ist in dieser Zeit umsetzbar. Klimaanpassungs- und Flächennutzungskonzepte benötigen eine mittel- bis langfristige Perspektive, Für das Klimaanpassungskonzept soll in den ersten 100 Tagen der Auftrag zur Erarbeitung vergeben werden, bei der Flächennutzung soll die Evaluation der “Aktion Zukunft+” für Eching geprüft und ein weiteres Gespräch mit den Grundstückseigentümern stattgefunden haben.

Zu Frage 2:
Die Wärmewende beschleunigen wir durch bessere Informationsangebote, finanzielle Anreize und nachbarschaftliche Planung.

Mit der gemeinsamen Fernwärmeplanung zusammen mit Neufahrn ist bereits ein wichtiger Schritt für die Wärmewende getan. Gleichzeitig ist unübersehbar, dass der Umstieg auf erneuerbare Wärmequellen deutlich beschleunigt werden muss.

Politische Unsicherheiten auf Bundesebene, insbesondere im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz, haben zuletzt zu erheblicher Verunsicherung bei Eigentümerinnen und Eigentümern sowie unter Heizungsbauern geführt. Umso wichtiger ist es, auf kommunaler Ebene verlässliche Orientierung zu bieten.

Wir müssen Zielmarken klar kommunizieren und Schritt für Schritt begleiten, damit alle gemeinsam den Weg der Wärmewende gehen. Akzeptanz entsteht durch Information, Transparenz und realistische Alternativen. Gleichzeitig herrscht auch viel unberechtigte und durch Desinformation getriebene Sorge rund um das Thema erneuerbare Energie. Hier möchte ich den Zugang zu neutralen, niederschwelligen Beratungsangeboten für Mieter*innen und Hauseigentümer*innen gezielt ausbauen.

Insbesondere in Reihenhaussiedlungen und verdichteten Wohngebieten können gemeinschaftliche Lösungen große Vorteile bieten. Der Zusammenschluss mehrerer Haushalte, etwa zur Nutzung gemeinsamer Großwärmepumpen, kann Kosten senken und die Effizienz erhöhen. Solche nachbarschaftlichen Modelle möchte ich aktiv unterstützen.4

Nichtsdestotrotz ist für mich klar, dass mehr erneuerbare Wärmeerzeugung nötig ist, um die Klimaziele zu erreichen und ein lebenswertes Eching für die Zukunft erhalten zu können. Ergänzend zu Informationsangeboten braucht es daher finanzielle Anreize. Ich setze mich deshalb für die Einführung einer kommunalen Förderung ein, beispielsweise in Form eines langfristig zinsgünstigen Darlehens zur Unterstützung von Investitionen in Wärmepumpen, Solarthermie oder vergleichbare Technologien.

Klar ist dabei auch: Eine verlässliche Wärmewende kann die Gemeinde nicht allein stemmen. Eine dauerhafte Unterstützung durch den Freistaat Bayern ist notwendig, um kommunale Förderinstrumente langfristig abzusichern.

Zu Frage 3:
Ich befürworte mehr Batteriespeicher und Windkraftanlagen. Dabei sollen die Gewinne auch den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen. Beim Solarausbau müssen auch lokale Unternehmen in die Pflicht genommen werden.

Erneuerbaren Energien wird häufig mangelnde Verlässlichkeit vorgeworfen – etwa, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Das ist jedoch zu kurz gedacht, denn mit modernen Speichertechnologien ist es möglich, Überschüsse aus wind- oder sonnenreichen Phasen zeitlich zu verschieben und so Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Ausbau lokaler Speicher ist für mich daher ein zentraler Baustein der Energiewende in Eching.

Besonders im Echinger Gewerbegebiet besteht noch erhebliches Potenzial für den Ausbau der Photovoltaik, etwa auf Dachflächen oder über Parkplätzen. Hier möchte ich den Dialog mit den Unternehmen vor Ort suchen, damit auch diese ihren Beitrag zur Energiewende vor Ort leisten.

Auch Windkraftanlagen befürworte ich ausdrücklich. Im Landkreis Freising gibt es etwa in Kammerberg bereits ein “Bürger-Windrad”, das neben erneuerbarem Strom auch finanzielle Erträge für die Beteiligten erwirtschaftet.5 Daher möchte ich eine Standortprüfung durchführen. Die geographische Nähe zum Münchner Flughafen muss bei der Planung berücksichtigt und eventuelle Einschränkungen durch die Flugsicherheit früh evaluiert werden.

Wie auch beim Thema Wärme gibt es bei der Windenergie viele Fehlinformationen, etwa zu den Auswirkungen von Infraschall auf die menschliche Gesundheit, erhöhter Kollisionsgefahr für Vögel oder Lärmbelästigungen für Anwohner. Mir ist wichtig, dass die Bedenken der Echingerinnen und Echinger bei der Ausweisung einer Windkraftanlage frühzeitig ernstgenommen werden, um eventuell Anpassungen vornehmen zu können.

Gleichzeitig möchte ich auch klar sagen, dass auch konventionelle Energiegewinnung nicht im Vakuum stattfindet und Anwohner belastet; in der Regel sogar deutlich stärker als erneuerbare Energieformen, allen voran durch den Ausstoß von Schadstoffen.

Jede Form der Energiegewinnung im Gemeindegebiet greift für wirtschaftliche Interessen im Sinne der Nachhaltigkeit zumindest temporär in einen Teil unserer schönen Natur ein. Mir ist deshalb wichtig, dass bei neuen Projekten stets ein klarer Mehrwert für die Gemeinde und die Bevölkerung entsteht – etwa durch individuelle Beteiligungsmöglichkeiten in einem genossenschaftlichen Modell, wie es die Bürger Energie Genossenschaft Freising erlaubt, um langfristig von Renditen zu profitieren oder indem ein Teil der erwirtschafteten Gewinne den Vereinen, neuen Freizeitanlagen oder Kulturangeboten im Gemeindegebiet zugute kommt.

Zu Frage 4:
Für nachhaltige Mobilität will ich den Busverkehr stärken, Anreize für mehr Carsharing schaffen und die Notwendigkeit von Elterntaxis durch sichere Verkehrswege reduzieren.

Der motorisierte Individualverkehr ist sowohl in der Nutzung als auch im Flächenverbrauch ineffizient. Fahrzeuge stehen den Großteil der Zeit ungenutzt im öffentlichen Raum und sind häufig nur mit einer oder zwei Personen besetzt.

Carsharing-Angebote können hier als Alternative funktionieren. In Eching gibt es bereits zwei Carsharing-Anbieter, die es mehreren Personen erlauben, sich dasselbe Fahrzeug zu teilen und so die Zeit, in der das Auto ungenutzt herumsteht, zu minimieren.6 Dieses Angebot möchte ich ausbauen und Anreize für die Bürgerinnen und Bürger schaffen, vermehrt solche geteilten Angebote statt eigener Fahrzeuge zu nutzen.

Gleichzeitig muss der ÖPNV vor Ort besser werden. Ab Ende 2026 soll der Bus 690 zum Forschungszentrum in beide Richtung verkehren, um die aktuell 40-minütige Odyssee durch Neufahrn an die U6 in Garching zu verkürzen. Das ist ein wichtiger Schritt, ist aber nur für Bürgerinnen und Bürger in Eching und Dietersheim ein Vorteil. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch der Bus 695 zwischen Allershausen und Garching-Hochbrück künftig zweimal pro Stunde fährt, um auch Günzenhausen besser an Eching und München anzubinden und eine echte Alternative zum Auto darstellen zu können. Zudem stellt der Bus damit eine Übergangslösung bis zum barrierefreien Ausbau des S-Bahnhofs für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder schwerem Gepäck dar.

Der Radverkehr soll ebenfalls weiter gestärkt werden: Durch zusätzliche Lastenräder in allen Gemeindeteilen, wie es in Eching aktuell eines gibt, soll das Radfahren nicht nur als Freizeitaktivität sondern auch etwa zum Einkaufen attraktiver werden.

Letztlich ist es mir auch wichtig, den Verkehrsraum insbesondere für Schulkinder sicherer zu machen, um den Fuß- oder Radweg zur Schule, zu Freunden oder in den Sportverein attraktiver gegenüber dem Elterntaxi zu machen.

Zu Frage 5:
Mit einem Klima-Dashboard wird das Klimaschutzkonzept in konkreten Meilensteinen für die Bevölkerung verständlich und erreichte und verfehlte Ziele nachvollziehbar.

Um Klimaschutzziele wirksam umzusetzen, braucht es klare Zieldefinitionen, regelmäßige Überprüfung und die Bereitschaft zum Nachsteuern. Ich befürworte daher ausdrücklich die Einführung eines verbindlichen Klimacontrollings für Eching.

Dieses Controlling sollte sowohl den Umsetzungsfortschritt einzelner Maßnahmen als auch deren tatsächliche Wirkung erfassen. Dafür suche ich das Gespräch mit Expertinnen und Experten aus der Verwaltung, dem Umwelt- und Klimaschutz und weiteren relevanten Fachbereichen, um konkrete, zielführende und relevante Meilensteine und Ziele für den Klimaschutz in Eching zu formulieren.

Wichtig ist mir hierbei auch die Transparenz nach außen. Zwar liegt mit dem bestehenden Klimaschutzkonzept bereits eine fundierte Grundlage vor, doch ist dessen Bekanntheit in der Bevölkerung begrenzt. Ich möchte daher in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzmanagerin ein einfach verständliches Klima-Dashboard auf der Gemeinde-Homepage einrichten, ähnlich der Anzeige am Osteingang des Rathauses, jedoch mit mehr Details, Erklärungen und Filtermöglichkeiten für die Nutzer, damit diese sich einen Überblick darüber verschaffen können, wie weit die Gemeinde in den verschiedenen Bereichen des Klimaschutzes fortgeschritten ist. “Controlling” passiert am besten durch die Kontrolle des Gemeinderats sowie der Bürgerinnen und Bürger.

Abschließend möchte ich betonen, dass es unerlässlich ist, Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur CO2-Reduktion zwar konsequent, aber stets im Dialog mit den Echingerinnen und Echingern, sowie den Unternehmen vor Ort festzulegen, zu überprüfen und einzufordern. Wir dürfen uns als Gemeinde nicht durch die Interessen Einzelner vom Erhalt unserer Umwelt und letztlich auch unser aller Lebensraum abhalten lassen. Als Bürgermeister werde ich nicht von oben herab Handlungsweisen vorzuschreiben sondern, wo möglich, im Gespräch mit den involvierten Akteuren Alternativen finden, um die gesetzten Ziele rechtzeitig, aber auch sozialverträglich und in Zusammenarbeit mit den Bürger*innen und lokalen Unternehmen zu erreichen.


Transparenzhinweis: Ich bin selbst aktiv im Klimabeirat Eching und koordiniere aktuell die interne Kommunikation zwischen den Mitgliedern. Der Klimabeirat ist als lose Struktur (im Gegensatz etwa zu einem Verein) organisiert, entsprechend besitze ich keine formelle Mitgliedschaft. An der Erstellung der Fragen an die Bürgermeisterkandidaten habe ich weder mitgewirkt noch sonstigen Einfluss darauf genommen.

Eric Jacob

Fußnoten

  1. https://www.kreis-freising.de/buergerservice/abteilungen-und-sachgebiete/naturschutz-und-landesplanung/naturschutzfoerderprogramme/moormanagement.html ↩︎
  2. https://www.aktion-zukunft-plus.de/ ↩︎
  3. https://www.tagesschau.de/wissen/klima/klimaschutz-erderwaermung-eu-100.html ↩︎
  4. https://www.klimaschutz-niedersachsen.de/themen/waerme/waermepumpe/waermepumpen-in-siedlungen-und-quartieren.php ↩︎
  5. https://beg-fs.de/fakten-check-windkraft/ ↩︎
  6. https://www.eching.de/umwelt-klima/klima/mobilitaet/ ↩︎

Bild oben: Photo by Annie Spratt on Unsplash